Veranstaltungen

Erste große Veranstaltung des Freundeskreises Nikolskoe e.V.
am 17. Juni 2019

Nach einem Jahr Planung und Vorbereitung war es soweit: Mit Bundespräsident a.D. Joachim Gauck lockte der neugegründete Freundeskreis Nikolskoe am 17. Juni 2019 mehr als 160 Gäste zu einer ersten großen Veranstaltung für die lebendige Bewahrung der Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe ins Wirtshaus zur Pfaueninsel.

Selbst lange Pfarrer in Rostock, zeigte sich Gauck, von seiner Partnerin Daniela Schadt begleitet, hochmotiviert, das ehrenamtliche Engagement für dieses Kleinod Kirche zu unterstützen. Als journalistischer Zeitzeuge entlockte Robin Lauterbach in seinem moderierten Gespräch Gauck sowohl klare als auch authentisch-einfühlsame Worte über sein Wirken als Pfarrer, seine Aktivitäten in der Wendezeit, als Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde und als Bundespräsident.

In der für ihn typisch-direkten Sprache ordnete Gauck deutsch-deutsche Befindlichkeiten 30 Jahre nach dem Mauerfall, die Treuhandanstalt, den wirtschaftlichen und sozialen Wandel, Rechtspopulismus und andere bewegende Themen ein. Die sich zuspitzende Lage in der deutschen Botschaft im September 1989 in Prag und die Demonstrationen am 7. Oktober 1989 hätten den entscheidenden Stimmungswandel in der Bevölkerung herbeigeführt, die seitdem an ihre Chance zur Wende glaubte. Die „Kommunisten“ hörten damals nur in die Partei, hatten aber keinen Kontakt zum Volk, skizzierte Gauck. Für ihn litt die DDR-Wirtschaft nicht nur unter mangelnder Effizienz und Innovation, sondern auch unter dem Kulturverlust, wenn selbständige Handwerker, freier Bauern und Unternehmer fehlen. Schlechtere Rahmenbedingungen als im Westen, nicht schlechtere Charaktere, kennzeichneten vor drei Jahrzehnten den Osten Deutschlands. War der Protest damals politisch links kanalisiert, sei er es heute rechts. „Wutbürgern“ heute seien unterschiedliche Sozialisierung sowie Angst vor Globalisierung und technischer Innovation gemeinsam. So bildeten sich ganz unterschiedliche voneinander abgeschottete Milieus. Gauck verlangte, intolerant gegenüber denen zu sein, die Intoleranz zum Prinzip erheben. Toleranz sei eben nicht Gleichgültigkeit oder Beliebigkeit. Unsere Gesellschaft brauche kämpferische Toleranz. Mit seinem Schluss-Plädoyer „nur mit dieser Toleranz können wir die immer größer werdende Vielfalt ertragen“ gewann Gauck nicht nur den starken Beifall des begeisterten Publikums, sondern auch viele neue Freunde für den Freundeskreis Nikolskoe!

(Text: Klaus Bräunig)